Österreich hat beim Austausch fossiler Heizsysteme in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Analyse von IIBW und Umweltbundesamt, dass die umfassende Sanierung des Gebäudebestands weiterhin deutlich hinter den notwendigen Zielwerten zurückbleibt.
Der Anstieg der Sanierungsaktivität der letzten Jahre beruht vor allem auf einem Boom beim Heizungstausch. Maßnahmen an der Gebäudehülle – etwa Dämmung oder Fenstertausch – entwickeln sich hingegen deutlich schwächer. Für die Erreichung der Klima- und Energieziele reicht das nicht aus.
Die wichtigsten Fakten zur Gebäudesanierung
- 2,1 Milliarden Euro öffentliche Förderungen für Gebäudesanierungen im Jahr 2024
- 1,45 Milliarden Euro davon Bundesförderung
- 120.000 Wohnungen mit Heizungsumstellung im Jahr 2024
- 1,6 % Sanierungsrate im Gebäudebestand
- 0,4 % umfassende Sanierungen
- 3 % Sanierungsrate notwendig, um Klimaziele zu erreichen
Quelle: IIBW / Umweltbundesamt 2026
Rekordförderungen – mit Schwerpunkt auf Heizungstausch
Bund und Länder haben ihre Förderprogramme für Gebäudesanierungen in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet.
Während die Bundesförderung bis 2021 meist zwischen 30 und 70 Millionen Euro pro Jahr lag, stieg sie 2022 auf über 460 Millionen Euro und 2024 auf rund 1,45 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den Förderungen der Länder erreichten die öffentlichen Ausgaben für Gebäudesanierungen zuletzt rund 2,1 Milliarden Euro.
Ein Großteil dieser Mittel floss in Programme zum Austausch fossiler Heizsysteme. Rund zwei Drittel der Bundesförderung entfielen auf diese Maßnahme.
Die Wirkung ist deutlich sichtbar: Während 2017 nur etwas mehr als 10.000 Heizsysteme ersetzt wurden, waren es 2024 bereits rund 120.000 Wohnungen, die auf erneuerbare Heizsysteme umgestellt wurden.
Umfassende Sanierungen gehen seit Jahren zurück
Parallel dazu zeigt sich ein gegenteiliger Trend bei umfassenden thermischen Sanierungen.
Der Höhepunkt wurde bereits um 2009 mit rund 55.000 umfassenden Sanierungen pro Jahr erreicht. Heute liegt diese Zahl bei weniger als 20.000 Wohnungen jährlich.
Auch ungeförderte umfassende Sanierungen sind stark zurückgegangen – von rund 5.000 Fällen pro Jahr in den 2010er-Jahren auf zuletzt weniger als 2.000.
Umfassende Sanierungen sind technisch komplex, organisatorisch anspruchsvoll und häufig mit hohen Investitionskosten verbunden. Viele Eigentümer:innen reagieren daher sensibel auf wirtschaftliche Unsicherheiten oder unklare politische Rahmenbedingungen.
Sanierungsrate derzeit bei 1,6 %
Die gesamte Sanierungsrate lag im Jahr 2024 bei rund 1,6 % des Wohnungsbestands.
Dabei hat sich die Struktur der Maßnahmen deutlich verändert:
- rund 1,2 % entfallen auf Einzelmaßnahmen, vor allem Heizungsumstellungen
- nur etwa 0,4 % auf umfassende Sanierungen.
Zum Höhepunkt des Sanierungsgeschehens Anfang der 2010er-Jahre war dieses Verhältnis noch umgekehrt: Damals dominierte die umfassende thermische Gebäudesanierung.
Ohne Heizungstausch ist die Sanierungsrate rückläufig
Der jüngste Anstieg der Sanierungsrate ist nahezu vollständig auf den Boom beim Heizungstausch zurückzuführen.
Wenn man diese Maßnahme aus der Statistik herausrechnet, zeigt sich ein anderes Bild: Die Sanierungsrate ist rückläufig.
Besonders deutlich wird dies bei Maßnahmen an der Gebäudehülle. Die thermische Sanierungsrate lag Anfang der 2010er-Jahre noch bei rund 1,8 %, sank bis 2021 auf etwa 1,2 % und lag 2024 nur noch bei rund 0,9 %.
Verdoppelung der Sanierungsrate notwendig
Um die energie- und klimapolitischen Ziele im Gebäudesektor zu erreichen, müsste die Sanierungsrate deutlich steigen.
Simulationen zeigen, dass eine Verdoppelung auf etwa 3 % pro Jahr erforderlich wäre, um den Gebäudebestand bis 2040 klimaneutral zu machen.
Besonders groß ist der Handlungsbedarf im Mehrwohnungsbau. Laut Analyse liegt die durchschnittliche Sanierungsrate in MRG-Gebäuden und kommunalen Wohnbauten seit 1990 bei rund 1,0 % pro Jahr. Um die Klimaziele zu erreichen, wären jedoch deutlich höhere Raten erforderlich: 3,9 % im MRG-Bestand und 4,6 % bei Gemeindewohnungen.
Gerade in diesen Segmenten des Wohnungsbestands besteht daher erheblicher politischer und regulatorischer Handlungsbedarf.
Bessere Daten als Grundlage für eine wirksame Sanierungspolitik
Eine zielgerichtete Sanierungspolitik braucht eine belastbare Datengrundlage über den Gebäudebestand.
Der Bericht weist darauf hin, dass wichtige Datensysteme derzeit noch unzureichend genutzt oder miteinander verknüpft sind. Dazu zählen insbesondere:
- das Adress-, Gebäude- und Wohnungsregister (AGWR)
- die Energieausweisdatenbanken der Bundesländer (EADB).
Eine bessere Nutzung und Verknüpfung dieser Daten könnte wesentlich dazu beitragen, Sanierungsbedarf präziser zu identifizieren und politische Maßnahmen gezielter auszurichten.
Fazit
Österreich hat beim Austausch fossiler Heizsysteme große Fortschritte erzielt. Gleichzeitig bleibt die Dynamik bei umfassenden Gebäudesanierungen deutlich hinter den langfristig notwendigen Zielwerten zurück.
Um die Energie- und Klimaziele zu erreichen, wird es entscheidend sein,
- die Sanierungsrate deutlich zu erhöhen,
- umfassende Sanierungen stärker voranzubringen
- und die Datenbasis über den Gebäudebestand deutlich zu verbessern.
Die Modernisierung des Gebäudebestands bleibt damit eine zentrale Herausforderung für die österreichische Energie-, Bau- und Wohnungspolitik.
Quellen
IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen / Umweltbundesamt (2026):
Monitoring-System zu Sanierungsmaßnahmen in Österreich 2025. [Download-LINK]
Autoren
- Dr. Wolfgang Amann – IIBW Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen
- Mag. Heimo Gradischnig – Kovar & Partners